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Opus 8. Im Flechtwerk. Christian Lehnert

 

Opus 8. Im Flechtwerk. Christian Lehnert

 

 

 

 

 

Die Gedichte erinnern an die Gemälde von Caspar David Friedrich. Sie sind zart, aber bestimmt in den Annahmen von Licht und Lebenswellen, dabei streng gefügt, an barocke Kantaten erinnernd.

 

Die Natur, die natürliche Beobachtung stehen oftmals im Vordergrund, Spinnen, die Eiche, Blaualgen, Wiesenweihe, Bachstelzen: „Der Lungenbaum / die Linde / atmet ein.“ Auf den ersten Blick meint man es mit reinen Naturgedichten zu tun zu haben, legte Lehnert nicht jene Schleier aus Illusionen darüber. Deren Unbegrenztheit gibt gerade dem im Kleinen Geschauten einen enormen Raum und eine überzeugende Wahrhaftigkeit: „Ein Nachglanz? Langer Schlaf? Im Amethyst / Geht unentwegt ein Rauschen / pulsen Wellen / Voll Algenschlieren / ebben ab und schwellen / Und fluten gegen Klippen.“ Oder „Schlaft nun / Schlaf ist das Gestein / Woraus wachend ihr geschlagen / Aufgestellt an langen Tagen.“

Licht und Flut treffen sich in der Betrachtung des Natürlichen und machen es in eigener Weise figürlich, eine Hommage an die Schöpfung, aber vielleicht auch ein ganz eigener Weg zelebrierter, sinnlicher Erfahrung.

 

Vielfach sind die Gedichte des Dichters und Theologen von Transzendenz durchdrungen, dem Moment über dem Moment, dem Außen des Innen: „Ein schwarzes Glas / ich war darin versunken / Und war der Funke eines fremden Lichts.“ Die Verse sind wie feine Membranen im Schimmer einer wie auch immer gearteten Gottheit. Sie sind unstillbar in ihrem Verlangen und Staunen über die Beschaffenheiten. Das macht das Lesen anmutig.

 

Beobachtet wird sehr genau. Das Skizzenhafte wird vermieden: „Ein weißer Stein / darin   die Zeichnung / sie bewahrt / Gewesenes / ein Tier /  noch wie ein Fötus zart.“

 

Es wird gereimt, aber die Reime nimmt man als solche kaum war, so filigran sind sie in der Weide dieser schönen Sprache verwoben. Die Gedichte scheinen beim Lesen zu erblühen. Das macht sie in besonderer Weise kostbar. Viele der Texte gehen eine Gratwanderung ein, laufen am Saum. Niemals aber wird das Kontemplative übermächtig. Sie behalten ihre Bodenhaftung, ihr unmittelbares Geschehen, ihre Balance. Die Frage nach dem Gott bleibt immer auch die Frage nach der Wunde.

 

 

 

 

Opus 8. Im Flechtwerk. Christian Lehnert. Suhrkamp 2022

 

 

 

 

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